Voller Anklang für Veranstaltungen der Immergrünen Trachtler

 

Viel geboten wurde den kleinen und großen Besuchern am 23. Juli bei den Veranstaltungen des Trachtenvereins Immergrün auf dem Erlebnisbauernhof der Familie Redl in der Schwaig.

Pünktlich um 10:00 Uhr startete das 9. Kolbermoorer Oldtimertreffen, welches erstmals von Andreas Redl unter der Schirmherrschaft des Trachtenvereins Immergrün ausgerichtet wurde. Bis zum Mittag wuchs die Zahl der Teilnehmenden Fahrzeuge auf über 120 Stück an. Dabei kamen Nostalgiefreunde voll und ganz auf Ihre Kosten. Durch die Vielzahl der vorhandenen Traktoren konnten sich die Besucher ein Bild vom Werdegang der technischen Entwicklung über die vergangenen Jahrzehnte machen.  So waren vor allem die Klassiker der Marken Eicher, Lanz und Schlüter zahlreich vertreten.

 Nicht nur die Zugfahrzeuge waren für die Besucher interessant, sondern zum Teil auch das dazugehörige Arbeitsgerät. So wurde zum Beispiel dem interessierten Teilnehmer ein voll funktionsfähiger Bindemäher vorgeführt – dieser schnitt bei der Ernte das reife Getreide ab und hat es anschließend sofort zu einzelnen Bünden zusammengebunden welche von der Maschine ausgeworfen wurden. Was heute bei den Geräten als selbstverständlich erscheint, war in der Vergangenheit für die Menschen eine kleine Revolution, welche das Leben unheimlich erleichterte.

Parallel dazu startete ab 11:00 Uhr der Familientag und auch für Kinder und Jugendliche stand ein abwechslungsreiches Programm auf der Tagesordnung. Denn was gibt es für Kinder Schöneres als nach Herzenslust und Laune zu toben? Nicht viel dachte man sich und so konnten die Kinder dies an den verschiedenen Spielestationen ausleben. Erprobt wurde das Kräftemessen an einer echten Holzkegelbahn oder beim munteren Heuhüpfen. Auch kam der besinnliche Teil nicht zu kurz, so konnten Hufeisen mit aller Kreativität bemalt und verziert werden und für Mädchen gab es die Möglichkeit sich eine waschechte „Trachtenfrisur“ stecken zu lassen.

Aufgelockert wurde der Tag durch die Auftritte der vereinseigenen Trommler und Goaßlschnalzer – alle interessierten Kinder konnten danach selbst in die zwei Sparten schnuppern und es ausprobieren. So wurde mit großem Erstaunen festgestellt, dass das so locker anmutende Trommeln oder Schnalzen gar nicht so einfach ist und nur durch regelmäßiges Üben erlernt werden kann. Des Weiteren, stand die Familie Redl mit ihrem Erlebnisbauernhof, sowie mit Ponyreiten und Kutschenfahrten am Nachmittag für Klein und Groß zur Verfügung.

Viele Besucher blickten dabei im gesamten Tagesverlauf einmal hinter die Kulissen des Trachtenvereins. Vor allem bei den Kindern ergaben sich viele Fragen, was denn nun beim Dirndldrehen und Schuhplatteln am wichtigsten ist und stellten fest, dass vor allem das Kennenlernen von neuen Freunden, das gemeinsame Erleben und die Gemeinschaft einen Verein erst richtig interessant macht. Daher besteht für alle Interessierten die Möglichkeit am Mittwoch, den 21. September ab 18:00 Uhr im Trachtenheim in Kolbermoor selbst einmal in die Kinder- oder Jugendprobe zu schnuppern.

Gespannt blickten auch die Mitwirkenden des Trachtenvereins auf diesen Tag, da mit Oldtimertreffen und Familientag zwei ganz neue Veranstaltungen in das Leben gerufen wurden, welche durch den großen Besucherandrang belohnt worden sind. Zur vollsten Zufriedenheit zeigte sich auch der 1. Vorstand Christian Staudinger, welcher den Tag sehr treffend zusammenfasste „Einfach a schees Buidl mit so vui Kindern und Familien“. Beim gemeinsamen Ausklang fand der Tag ein abschließendes Ende und alle freuen sich schon, wenn es heißt – die Immergrünen veranstalten wieder einen Familientag.

 

 

Als in München Anfang des 16. Jahrhunderts die Pest wütete und die Menschen aus Angst vor der „schwarzen Seuche“ nicht mehr aus ihren Häusern gingen, war dies die Zunft der Fassmachern und Schäffler, die versuchten, mit einem Reigentanz den Leuten neuen Lebensmut zu geben. Mit Trommeln und Pfeifen zogen sie durch die Straßen Münchens, hielten vor den Häusern an und versuchten sich in frisch fröhlichen und aufmunternden Tänzen. Nach dem Abklingen der Pest gelobte man sich zum Dank, den Schäfflertanz alle sieben Jahre aufzuführen.Schffler Foto 001


Die Geschichte des Schäfflertanzes in Kolbermoor

In Kolbermoor wurde der Schäfflertanz erstmals 1886 aufgeführt. Gegen Ende des Jahres 1885 machte der damalige Gemeindeschreiber, ein gewisser Bohl, ein gebürtiger Münchner, bei einer Sitzung der KolbermoorerFaschingsgesellschaft den Vorschlag, statt den bisher üblichen Haberfeldtreiben und Bauernhochzeiten doch einmal den Münchner Schäfflertanz aufzuführen. Man nahm den Vorschlag mit Begeisterung auf und setzte sich umgehend mit den Münchner Schäfflern in Verbindung. Mit Unterstützung der Münchner Schäffler -Zunft wurde der Tanz einstudiert und man erwirkte vom damaligen Prinzregenten Luitpold von Bayern ein königliches Dekret, in dem die Erlaubnis erteilt wurde, den Schäfflertanz alle sieben Jahre aufzuführen. Noch im Fasching 1886 konnte der Tanz dann zum ersten Mal in Kolbermoor aufgeführt werden. 1893 wurde dann aus der Schäfflertanz Vereinigung der „Dramatische Club Immergrün“ gegründet, um die siebenjährigen Tanzpausen durch Theateraufführungen zu überbrücken. Da mit der zunehmenden Industrialisierung die Pflege des heimatlichen Brauchtums immer mehr verschwand, machte es sich der „Dramatische Club“ auch zur Aufgabe, das Heimatgut zu pflegen und altes Brauchtum zu schützen, dass daraus der „Gebirgstrachtenverein Immergrün“ wurde.

In der Zeit von 1886 bis 1914 konnte der Schäfflertanz alle sieben Jahre aufgeführt werden, bis diese Tradition durch die Wirren der beiden Weltkriege unterbrochen wurde. Zur Markterhebung Kolbermoors im Jahre 1936 wurde der Tanz außerhalb der Reihe aufgeführt. Seit 1949 konnte der Tanz dann turnusmäßig alle sieben Jahre stattfinden. Damit haben die Kolbermoorer Schäffler 2012 zum 15. Mal in Kolbermoor getanzt. Der nächste Schäfflertanz findet im Fasching 2019 statt. 


Der Tanz

Die Schäfflertanzgruppe besteht aus dem „Schäffler Meister“, 16 Tänzern, einem Fähnrich, zwei Fassträgern und einem Kronenhalter, sowie den Kasperln, die mit Ihren Späßen das Publikum erheitern. Musikalisch wird der Tanz von einer mindestens zehn Mann starken Blaskapelle begleitet. Zu den Klängen eines schneidigen Marsches ziehen die Tänzer am Tanzplatz ein und bilden einen Kreis. Der Reifenschwinger in der Mitte des Kreises begrüßt das Publikum, indem er seinen Hut abnimmt und die Tänzer senken zum Gruß ihre Bögen. Zum Takt eines „Schottisch“ beginnt der Auftanz. Darauf folgt die Laube, die schwierigste Figur, was Aufbau und Auflösung betrifft. Als dritte Figur bilden die Tänzer das Kreuz, das sie dann in vier Quadrillen auflösen.

Die darauf folgende Figur, die Krone, ist die optisch wohl wirkungsvollste und einer der Höhepunkte des Tanzes. Danach wird mit dem Fasslklopfen das Handwerk der Schäffler nachgeahmt, wobei die Tänzer im Takt des Klop-fers im Kreis gegeneinander marschieren und die so genannte Schlange tanzen.

Nun folgt der Reifenschwung, bei dem der „Schäffler Meister“ auf das Fass steigt, zwei gefüllte Schnapsgläser in den Reifen zum Takt eines flotten Galopps schwingt und den Auftraggeber des Tanzes mit einem „Trinkspruch“ hochleben lässt. Ebenso schwingt auch der Fasskasperl einen Reifen und ehrt den Auftraggeber mit einem lustigen Vers und einem dreifachen „Pfiffkas-Hoch“. Darauf folgt der Abmarsch und die Schäffler ziehen zum nächsten Tanzort.